Freitagspredigt

Der Schaden übler Nachrede

Verehrte Muslime,
der Islam fördert Ethik und Moral und verbietet gleichzeitig schlechte Angewohnheiten. Zu einem dieser gehört zweifelsohne die üble Nachrede (gıybet, ghiyba). Üble Nachrede bedeutet, hinter dem Rücken eines Menschen etwas Unschönes über ihn zu sagen. Im Volksmund auch bekannt als „klatsch“. Auch mit einer Handlung, die hinter dem Rücken eines Menschen ausgetragen wird, kann man üble Nachrede betreiben. Wenn diese Handlung nämlich den betroffenen Menschen herabwürdigt. Wer z.B. das Gesicht verzieht, eine Andeutung macht oder auf etwas zeigt beim Menschen, begeht damit üble Nachrede. Und wer Zeuge einer üblen Nachrede wird und diesem beipflichtet oder auch nur dazu schweigt, begeht damit gleichfalls üble Nachrede, weil er sich daran beteiligt.

Verehrte Geschwister,
üble Nachrede betreiben bedeutet allen voran die Würde des Menschen anzutasten, der doch eigentlich als Geschöpf mit Würde erschaffen ist. Es ist daher nicht nur die Religion, die üble Nachrede verbietet, sondern auch das menschliche Gewissen. Im Koran heißt es hierzu: “O ihr, die ihr glaubt. Vor den meisten Vermutungen hütet euch. Denn so manches Vermuten ist eine Sünde. Forscht nicht nacht des anderen Fehlern und Geheimnissen. Und dass nicht der eine hinter des anderen Rücken üble Nachrede treibt. Hätte einer von euch Gefallen daran, das Fleisch seines verstorbenen Bruders zu essen? Ekel überkommt euch davor, nicht wahr? Und habt Ehrfurcht vor Allah. Wahrlich, Allah nimmt reichlich Reue an. Er ist sehr barmherzig.” [1]

Zu den Zeichen von guten Muslimen gehört es auch, dass sie übler Nachrede fern bleiben und den Menschen mit ihrer Zunge keinen Schaden zufügen. Genau hierauf wies unser Prophet (saw) auch einst in einem Hadis hin: “Wahre Muslime sind die, vor deren Hand und Zunge andere Muslime sicher sind.” [2]

In einem anderem seiner Hadise wies unser Prophet (saw) zudem darauf hin, dass er für den Eintritt in das Paradies desjenigen bürge, der ihm garantieren kann, mit seiner Zunge anderen nicht zu schaden und seine Keuschheit zu wahren. [3]

Verehrte Gläubige,
regiert in einer Familie, unter Verwandten, im Freundeskreis oder insgesamt in einer Gesellschaft üble Nachrede, kann hier weder Frieden noch Respekt gedeihen. Wenn ein Mensch nicht sicher sein kann vor den Nachstellungen des anderen, kann er da mit ihm Freundschaft schließen? Kann er diesem seine Geheimnisse anvertrauen, mit ihm in guter Nachbarschaft leben? Dies ist sicherlich nicht zu erwarten. Individuen einer Gesellschaft, die üble Nachrede treiben hinter dem Rücken des jeweils anderen und einander auf diese Weise herabwürdigen, können sie da noch gemeinsam vorgehen bei Problemen. Und können sie ihre Freuden teilen und überhaupt das Gefühl für ein Miteinander entwickeln, wie sich dies für eine Gemeinde gehört?

Üble Nachrede ist der wichtigste Grund für gesellschaftliche Unruhen, die nach den Worten des Koran ein größeres Unheil noch sind als der Tod. [5] Üble Nachrede und Klatsch führen nicht nur zum Bruch unter den Menschen, manchmal auch zu Mord und zu jahrelangen Fehden. Für Angst und Schrecken sorgen sie in der Gesellschaft.

Die heutige Predigt möchte ich mit einem Hadis beenden: “Dass mir keiner etwas von meinen Ashab bringt, dass mich verärgern würde. Denn ich will nichts im Herzen haben, wenn ich euch gegenüber trete.” [6]


[1] Hucurat, 49/12.
[2] Tirmizî, Îman, 12; Nesâî, Îmân, 8.
[3] Buharî, Rikak, 23.
[5] Bakara, 2/191.
[6] Ebu Davud, Edeb 33, (4860).