Freitagspredigt

Hutba: Religiosität in modernen Zeiten

Verehrte Muslime!

Der Islam führt uns auf den Weg wahrer Glückseligkeit – und zwar im Diesseits und im Jenseits. Wer glaubt, also Iman besitzt, und danach lebt, wird glückselig werden.

Das menschliche Bedürfnis nach Religion und der Wunsch nach religiöser Praxis sind Teil der natürlichen Veranlagung des Menschen (Fitra). Dîn und Îmân sind nicht Fertigkeiten, die der Mensch mit der Zeit erlernen kann, sondern werden angeboren. Allah, der Erhabene, hat sie jedem Menschen mitgegeben.

Liebe Geschwister!

Religiös sein bedeutet ausgewogen zu sein, d. h. in Harmonie mit Allah, den Menschen und allen anderen Geschöpfen zu leben. Nur so kann der Îmân vollkommen werden. Wenn es keine Ausgewogenheit gibt oder nur teilweise, ist die Religiosität lückenhaft. Das bedeutet: Wenn unser Îmân uns nicht zu guten Taten führt, ist er nicht vollkommen. Und wenn wir umgekehrt viel Gutes tun, aber nicht aufrichtig glauben, dann fehlt etwas Grundlegendes.

Verehrte Muslime!

Wie es uns gelingt, Takwâ zu erreichen, erfahren wir ausfolgendem Koran Vers: „Frömmigkeit besteht nicht darin, dass ihr euer Gesicht nach Westen oder Osten kehrt. Fromm ist vielmehr, wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt und an die Engel und die Schrift und die Propheten; und wer sein Geld – auch wenn er selbst Bedarf hat – für seine Angehörigen und die Waisen, die Armen und den Reisenden, die Bettler und die Gefangenen ausgibt; und wer das Gebet verrichtet; und wer die Zakat zahlt; und die, welche ihre eingegangenen Verpflichtungen einhalten und in Unglück, Not und Gefahr standhaft sind: Sie sind es, die aufrichtig und gottesfürchtig sind.“[1]

In diesem Vers erfahren wir vier Grundlagen, auf denen die Religiosität beruht. Diese sind:

1) Îmân, also der Glaube an Allah, den Jüngsten Tag, die Engel, die göttlichen Schriften, die Propheten, die Vorherbestimmung und der Glaube daran, dass alles Gute und Schlechte von Allah kommt.

2) Amal, also gute Taten und Ibâdas für Allah zu verrichten.

3) Adl, also das gerechte, aufrichtige und gewissenhafte Handeln, fern von allem Unrecht.

4) Wohltätigkeit, also das Spenden in Form von Sadaka und Infâk, aber gleichzeitig auch das Wohl der Gesellschaft anzustreben und zu festigen.

Mögen Allah uns zu den aufrichtigen Muslimen zählen. Mögen wir zu jenen gehören, die sich in schönster Weise für ihren Glauben einsetzen.

[1] Sure Bakara, 2:177