Freitagspredigt

Dem Schlechten mit Gutem begegnen

Verehrte Muslime!

Beinahe täglich passiert uns, unserer Familie oder unseren Freunden etwas Gutes. Manchmal ist aber auch das Gegenteil der Fall. Das alles ist eine Prüfung, und unsere Reaktion auf diese Prüfung ist maßgeblich. Die zentrale Frage hierbei ist: Wie begegnen wir etwas Schlechtem? Mit etwas genauso Schlechtem oder mit etwas Gutem?

Liebe Geschwister!

In einem Koranvers heißt es: „Das Gute und das Böse sind fürwahr nicht gleich. Wehre (das Böse) mit Besserem ab, und schon wird der, zwischen dem und dir Feindschaft war, dir wie ein echter Freund werden.“[1]

Die wichtige Botschaft des Verses lautet: Wir können Feindschaft in Freundschaft verwandeln, und zwar, indem wir dem Schlechten mit Gutem begegnen. Auch das Leben des Propheten ist ein Beispiel dafür. Umar bin al-Hattâb (r) war jähzornig und ein Feind des Propheten, den er sogar töten wollte. Aber als er die Lage des Propheten und seiner Schwester, die Muslimin war, sah, wirkten die Verse, die er hörte, auf sein Herz. Unter der weisen Bemühung des Propheten und seines Gefolges, nahm er den Islam an.

Verehrte Muslime!

Auch der Prophet Yûsuf (a) ist ein gutes Vorbild für uns. Als Kind und junger Mann war er dem Bösen ausgesetzt. Man warf ihn in einen Brunnen, verkaufte ihn als Sklaven und verleumdete ihn trotz seines Anstands. Aber er übte sich in Geduld und ließ nie vom Guten ab. Durch die Weisheit und Begabung, die ihm Allah schenkte, wurden seine Feinde zu seinen Freunden. Am Ende der Sure Yûsuf heißt es: „Allah ist uns fürwahr gnädig gewesen. Siehe, wer gottesfürchtig und standhaft ist – Allah lässt den Lohn der Rechtschaffenen nicht verlorengehen.«“[2]

Liebe Geschwister!

Wie wir eingangs sagten: Es ist entscheidend, wie wir auf etwas Schlechtes reagieren. Antworten wir auf dieselbe Weise, kann dies sehr schmerzhaft sein. Denn auch Konflikte sind oft das Ergebnis unverhältnismäßiger Vergeltungsmaßnahmen. Natürlich gilt trotzdem, dass wenn jemandem ein Unrecht wiederfährt, dürfen wir nicht schweigen dürfen, sondern ihm mit der Weisheit des Korans begegnen sollten.

Unser Prophet sprach: „Gehört nicht zu jenen Menschen mit schwachem Charakter, die sagen: ‚Wenn die Menschen Gutes tun, dann tun wir dies auch, und wenn sie jemanden unterdrücken, dann unterdrücken wir auch.’ Im Gegenteil, macht es euch zur Angewohnheit, Menschen mit Gutem zu begegnen, wenn sie Gutes tun, und sie nicht ungerecht zu behandeln, wenn sie Böses tun.“[3]

Ein Sprichwort fasst unsere Hutba sehr gut zusammen: „Gutes mit Gutem zu erwidern kann jeder, Böses mit Gutem zu erwidern können nur die wenigsten Menschen.“

[1] Sure Fussilat, 41:34
[2] Sure Yûsuf, 12:90
[3] Tirmizî, Birr, 113, Hadith Nr. 2007